Buchbesprechung LEX BARKER - DIE BIOGRAPHIE aus 'Karl May & Co. Nr. 93' (September 2003)
von Christoph

Reiner Boller & Christina Böhme:
LEX BARKER - DIE BIOGRAPHIE,
Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf,
550 Seiten, 39,90 Euro
ISBN 3896024442
 
Die mediale Aufarbeitung der Karl-May-Kinoserie ist in den letzten Jahren deutlich vorangeschritten. Bücher über die Drehorte, restaurierte DVD-Editionen der erfolgreichsten Werke und die Veröffentlichung zahlloser Musik-Themen aus den Filmen sind wertvolle Erzeugnisse. Neben der Vorfreude auf die Veröffentlichungsdaten der besagten Werke war in den letzten Monaten vor allem ein Opus Thema in den Fan-Foren im Internet: Die LEX-BARKER-BIOGRAPHIE aus der Feder von Reiner Boller und Christina Böhme. Am 2. Mai 2003, kurz vor Lex' 30. Todestag, sollte das Buch in den Buchläden stehen. Die Fans waren gespannt, ob das vielversprechende Werk die Erwartungen erfüllen würde.
 
Meine Buchbesprechung soll den Wert der zwei bereits erschienenen Bücher über Lex Barker nicht schmälern. Es lässt sich jedoch sagen, dass das neue Buch mit über 550 Seiten die zwei Werke an Umfang und Informationsgehalt bei weitem übertrifft. Es ist ein unersetzlicher Schatz für jeden Barker-Fan. Begeisternd, wie breitfächrig die Informationen sind, wie schnell die Lektürestunden vergehen.
Das Buch wird mit der Würdigung Lex Barkers durch drei Leute eingeleitet, die das Leben des Leinwand-Helden geprägt haben: Seine zwei Söhne Alexander und Christopher sowie Film-Produzent Artur Brauner, der Lex nach Deutschland holte, erinnern sich an den Vater, Freund und Partner. Es ist das erste Mal, dass Sohn Alexander sich offen über das Verhältnis zu seinem Vater äussert. Der Sohn aus erster Ehe erblickte das Licht der Welt 1947, noch bevor Lex Barker das Rampenlicht betrat.
Als konkrete Motivation zur Herstellung der Biographie erwähnen die Autoren in der Einleitung das grosse Echo, welches sie nach der Veröffentlichung eines Beitrages 1999 zum 80. Geburtstag Lex Barkers in dem amerikanischen Filmmagazin FILMS OF THE GOLDEN AGE erhielten. Nach der Lektüre der Biographie glaubt man als Leser kaum, dass die blosse Entsprechung eines Wunsches Grund genug war, so viel Herzblut in ein Werk zu stecken. Wohl über kaum einen Schauspieler wurde bislang eine so detaillierte Biographie veröffentlicht, die keine Lebensetappe vernachlässigt, sondern den Informationsdurst auf ganzer Ebene reichlich stillt.
Das Buch ist in 25 Kapitel unterteilt. Episoden aus der Kindheit des SPROSS' EINER ANGESEHENEN FAMILIE (Kapitel 1) werden geschildert. Der Zugang zu Bildern seiner Eltern und seiner Schwester war den Fans bislang ebenso versagt wie manche Schnappschüsse aus den späten Vierzigerjahren. In dieser Zeit lebte sich Lex Barker - damals als Schauspieler in Nebenrollen noch kaum beachtet - in der Hollywood-Society ein, lernte viele Stars und spätere Filmpartner kennen.
Wir erfahren weiter, wie Lex Barker 1948 seine erste Titelrolle als Tarzan ergatterte und die erste Ehe zerbrach. All seinen fünf Ehefrauen werden Kapitel gewidmet, die uns die Gefühle Lex' und seiner Herzdamen nachempfinden lassen. Die Autoren haben für die offizielle Biographie sehr von der Mitarbeit Arlene Dahls (Ehefrau Nr. 2) und „Tita“ Cerveras (Ehefrau Nr. 5) profitiert.
Erstmals gelang es, auch Lex Barkers Zeit in Hollywood als B-Schauspieler in den späten Fünfzigerjahren in würdigem Masse zu beleuchten. Diese Etappe in seinem beruflichen Schaffen brachte erwähnenswerte Filme wie SCHONUNGSLOS oder LEDERSTRUMPF: DER WILDTÖTER hervor, über deren Produktion bislang kaum Informationen bekannt waren.

Auch Lex Barkers europäisches Tritt-Fassen in Italien wird gebührend berücksichtigt. Dass diese filmisch eintönige Zeit mit LA DOLCE VITA als einsamem Höhepunkt nicht derart intensiv wie die Tarzan- oder Karl-May-Zeit gewürdigt wurde, ist verzeihlich. Nur absolute Lex-Barker-Fans, die diese Filme schätzen gelernt haben, wünschen ein ähnlich hohes Mass an Detailreichtum, das die Produktionsbeschreibung anderer Filme in dieser Biographie auszeichnet. Allemal entschädigend für jedermann ist, dass einige Bilder von Lex' verstorbener vierten Ehefrau, der Schweizerin Irene Labhart, zu sehen sind.

Selbstverständlich kommt auch die Karl-May-Ära nicht zu kurz. Der Produktionsgang dieser Filme wird geschildert, und die Informationen decken sich oft mit bekannten Veröffentlichungen des Karl-May-Verlages. Es ist sehr erfreulich, dass das Autoren-Team Boller/Böhme diese Zeit nicht in übertriebenem Masse behandelt. Die Biographie würdigt Lex' populärste Lebensetappe zwar ebenfalls, beschränkt sich aber auf eine massvolle Beleuchtung.

Der langsame Bühnenabgang, die ruhigeren Jahre in Spanien und die letzten Tage seines Lebens sind ebenso Inhalt des Werkes wie Lex' bis heute anhaltende Popularität. UNVERGESSLICH (Kapitel 25) bleibt er in vielen Herzen.

Den Abschluss des Buches bildet eine ausführliche Filmographie, die auch Informationen über Lex' TV-Auftritte enthält. Die grosse Überraschung für die Fans währt nur einen kurzen Moment: Lex soll laut Filmographie in BERLIN-EXPRESS, einem Film von 1948 mit Merle Oberon und Robert Ryan, zu sehen sein; einem Film, der bislang noch in keiner Filmographie auftauchte. Leider ist es aber so, dass Lex nicht einmal in der US-Version zu sehen ist, obwohl er bei der Produktion einer Szene am Set anwesend war. Sein Auftritt wurde herausgeschnitten.

Lex' Leben war nicht nur von beruflichen Höhepunkten geprägt. Kritische Zeiten werden von den Autoren nicht spekulativ, sondern im positiven Sinne lediglich berichtend behandelt. Aussagen von Kollegen und Verwandten ersetzen unnötige Mutmassungen. Letztere kann der Leser selbst anstellen. Quellen hat er nach der umfassenden Lektüre wahrlich genug.

Das Buch erzählt in einem Umfang wie kein bisher erschienenes das Leben Lex Barkers. Zum Abschluss meiner Rezension soll hier das Lebensmotto des Schauspielers zitiert werden, das auf einer einleitenden Seite des Buches zu lesen ist: „Was auch immer passiert - die Sonne wird aufgehen - und sie wird auch wieder untergehen. Setze einen Fuss vor den anderen, und der andere wird folgen.

So empfand und bewältigte Lex den Rhythmus seines Leben; sein Leben mit dem stetigen Wunsch nach privater und beruflicher Zufriedenheit. Das Buch gibt einem die Erkenntnis, dass er diese Zufriedenheit zu selten fand und dass sie nur kurz zu währen pflegte.

Das Buch schildert Auf- und Untergang, schildert Schritt für Schritt die Lebensetappen, die Gefühle Lex Barkers. Es scheint, er selbst habe den Autoren persönlich Einblick in sein Leben gewährt.

Bereichert wird das Lesevergnügen durch phantastische Photos: Wir sehen, wie Lex seine Kinder in der Küche beaufsichtigt oder wie er sich beim Golf vergnügt. Familienbesuche bei Labharts wie auch Ausflüge ins Disneyland gemeinsam mit seinen Kindern sind private, optische Einblicke, die das Buch uns gewährt.

Der überdurchschnittlich hohe Preis soll Interessierte auf keinen Fall vom Kauf der Biographie abhalten. Das Versprechen, Lex' Leben allumfassend zu behandeln, halten die Autoren absolut. Ihnen gebührt ein grosses Dankeschön für dieses Werk. Sie erweisen Lex Barker damit die Ehre, die er dank unvergesslicher Momente, die Film-Fans bis heute mit ihm teilen, verdient.

 

© Text: Christoph Stätzler, 19. Juli 2003. Verwendung ausserhalb der Website www.lexbarker.net nur mit Genehmigung des Urhebers.